Geschichte

Förderpreis zum Saalburgpreis 2009

Der Saalburgpreis wird jedes Jahr beim Jahresempfang vom Landrat des Hochtaunuskreises für besondere Verdienste um die Erforschung der Geschichte und um den Erhaltung von historischer Bausubstanz im Rahmen des Jahresempfangs auf der Saalburg vergeben.

Seit 1995 wurde der Saalburgpreis um einen Förderpreis für Schüler und Jugendliche ergänzt. Der Preis ist zwar undotiert, aber dennoch von hohem kulturellen und gesellschaftlichen Interesse. 500 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verfolgten am 13.09.2009 die Preisverleihung.

Die beiden Schülerinnen Melanie Mendetzki und Lisa-Marie Reiling, die in diesem Jahr diese besondere Auszeichnung erhielten, begannen bereits 2007 im Rahmen der Geschichts-AG unter der Leitung von Frau Dr. Heidelberger mit der Erforschung unserer Schulchronik und interessierten sich anfänglich zusammen mit ihrer Mitschülerin Theresa Bierbrauer besonders für die wechselvolle Entwicklung der Schule während der Zeit des Nationalsozialismus, als die Schule immer wieder um ihr „Überleben“ kämpfen musste.

Auch als die Schülerinnen nach der Mittleren Reife die Schule verließen, endete ihre Arbeit noch nicht. Sie erstellten zu diesem Thema eine Power-Point-Präsentation. Eine kurze Zusammenfassung ihrer Ergebnisse wird außerdem in diesem Herbst im Jahrbuch des Hochtaunuskreises veröffentlicht.

Exkursion zum KZ Buchenwald

Am 9. Juni 2009 besuchten die Klassen 10 das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. Wir trafen uns schon um 7 Uhr morgens, denn die Fahrt mit dem Bus dauerte 3 Stunden. Um kurz nach 10 Angekommen, begann bald darauf die Führung unter der fachlichen Leitung von Herrn Pallhorn, einem Mitglied des für die Bewahrung der geschichtlichen Erinnerung an die Geschehnisse im Konzentrationslager zuständigen Vereins. Zunächst wurde uns anhand einer Karte erklärt, wie groß das Konzentrationslager war, welche Teile heute noch stehen und wie es aufgeteilt war. Danach gingen wir mit 2 Zwischenstopps zum Haupteingang des Lagers, dessen Tor die menschenverachtenden Worte „JEDEM DAS SEINE“ trägt. Durch das Tor hindurchgegangen sahen wir keine der ehemals vielen Holzbaracken, in denen die Häftlinge des „großen Lagers“ untergebracht waren, dafür aber den immer auf Körpertemperatur geheizten Stein, auf dem noch die weißen Rosen von Barack Obama, Angela Merkel und der 2 Zeitzeugen lagen, die dieses Lager nur wenige Tage vorher besucht hatten.

Um den Lesern dieses Berichtes unser Entsetzen und unsere Fassungslosigkeit ein wenig näher zu bringen, hier ein paar Zahlen und Fakten, die wir von Herrn Pallhorn erfuhren:

Das Lager war zunächst für 8.000 Häftlinge erdacht worden. Zum Ende des Krieges waren hier 48.000 Menschen unter schlimmsten Bedingungen untergebracht. Die Häftlinge wurden nicht durch Gas wie in Auschwitz getötet. Hier waren nur männliche, arbeitsfähige Gefangene untergebracht, für dieses Lager galt der Leitsatz „Vernichtung durch Arbeit“. Die Menschen mussten schwerste Arbeit, z.B. im Steinbruch verrichten, bekamen aber viel zu wenig Nahrung und nur einen halben Liter Wasser am Tag. Bis Ende des 2. Weltkrieges kamen in Buchenwald 56.000 Menschen ums Leben. Nicht alle starben durch die schwere Arbeit, denn Krankheiten, Erschießungen, Aufhängen und Totprügeln waren an der Tagesordnung. In einem zur Genickschussanlage umgebauten Pferdestall der SS konnten bis zu 400 Menschen am Tag umgebracht werden, bis 1945 kamen so 8.500 russische Kriegsgefangene ums Leben.

Die Gräueltaten der Nationalsozialisten kannten noch viele weitere Formen, sie aufzuzählen und zu erläutern würde mehrere Seiten füllen. Meine Mitschrift, in der ich nur Zahlen und maximal zwei Stichwörter pro Thema erfasste, ist allein zwei Seiten lang.

Im Anschluss an den Vortrag sahen wir uns noch einen Film hauptsächlich über die Befreiung Buchenwalds am 5. April 1945, an, danach begannen wir die Heimreise. Ich selbst habe drei Tage gebraucht, um das Berichtete mental zu verarbeiten.

Geschichte Hautnah

Am 1. Juni 2007 fuhren die drei Abschlussklassen unserer Schule in die Gedenkstätte Hadamar bei Limburg. Die Schülerinnen erfuhren, dass dort im Rahmen des sog. "Euthanasie"-Programms der Nazis von Januar bis August 1941 insgesamt mehr als 10000 Menschen durch Medikamente umgebracht wurden. Es handelte sich um psychisch und physisch kranke Menschen, aber auch um solche, die sozial auffällig geworden waren. In einem Rundgang, dem "Gang der Opfer", und in einer Ausstellung wurde das Einzelschicksal dieser Menschen - unter ihnen auch viele Kinder und Jugendliche- deutlich.

Einige Schülerinnen schreiben über diesen Besuch: 

Vieles dort ist gut erhalten geblieben. Während wir im Keller in der Gaskammer standen, war ich sehr deprimiert, weil ich schreckliche Bilder im Kopf hatte." 

"Insgesamt war es gut, die Geschichte nicht nur im Unterricht zu hören, sondern zu erleben, auch wenn es unvorstellbar ist, was dort passierte." 

"Wenn man nicht über diese schreckliche Morde redet und andere Menschen informiert, könnte es sich im schlimmsten Fall noch einmal ereignen! Hadamar ist mir ans Herz gegangen, Ich bin schockiert durch die Ausstellung gelaufen und konnte nicht fassen, wie das alles möglich sein konnte." 

"Ich verstehe nicht, wie die Täter mit ihrem Gewissen klargekommen sind." 

"Den Abschluss bildete der Gang auf den Friedhof, wo wir mit einem "Vater unser" an die Opfer dachten. Ein Satz, der dort auf dem Mahnmal stand, wird mir nie mehr aus dem Kopf gehen:

Zum Anfang